Article Number: 4990
Hard Cover, German, Thread Stiching, 432 Pages, 2012, Maria Theresia Litschauer, ISBN 978-3-205-78846-1
Maria Theresia Litschauer

Architekturen des Nationalsozialismus

Die Bau- und Planungstätigkeit im Kontext ideologisch fundierter Leitbilder und politischer Zielsetzungen am Beispiel der Region Waldviertel 1938-1945

Ein konzeptkünstlerisches Forschungsprojekt (Deutsch)

In der Problematisierung der NS-Bau- und Planungstätigkeit in Österreich schien ein breit angelegter, nicht exemplarisch auf singuläre Bauten oder Großplanungen als Vorzeigeprojekte nachhaltiger NS-Propaganda beschränkter Ansatz lohnend; Fokus des Kunst, Architektur und Zeitgeschichte transdisziplinär verschränkenden Konzepts, das Forschung als künstlerische Praxis und Kunst als Wissensproduktion entfaltet, war vielmehr das gesamte architektonische und städtebauliche Spektrum eines exemplarischen Gebiets sichtbar und im Spiegel der Bautätigkeit, einschließlich der Architekten und ihrer "biografischen Verflechtungen" mit Partei und totalitärem Staat, die raumordnenden Zusammenhänge von Architektur, Ideologie und Politik deutlich zu machen. Nicht allein auf Repräsentationsbauten, die wie jede Staatsarchitektur die politische Macht symbolisieren, und formalästhetische Analysen begrenzt, war eine Bestandsaufnahme aller Bauten als Erbe des Nationalsozialismus und zeitgeschichtliche Anschauungsobjekte intendiert.
Auf Basis bau- und quellenspezifischer Vorkenntnisse wurde für das Projekt die 4600 km² umfassende Region Waldviertel gewählt und mit dem Anspruch auf Vollständigkeit Feldforschung nach Bauten und in fortschreitender Ergänzung um weitere Planungen im Zeitraum 1938-1945 Recherche in allen bautechnisch und -politisch in Frage kommenden Archiven in Österreich und Deutschland unternommen; je nach Ergiebigkeit vielfach erstmals erschlossener Quellen konnte die bau- und planungsgeschichtliche Rekonstruktion nicht nur der über 200 realisierten Projekte im Kontext ideologisch fundierter Leitbilder und politischer Zielsetzungen gelingen. Kartografisch verzeichnet, lassen vorrangig für Zwecke der Wehrmacht, der Grenzsicherung, der (Rüstungs)-Industrie, der rüstungswirtschaftlichen Elektrizitätsversorgung, der Administration und der Landwirtschaft errichtete und großteils in überwiegend gleicher Nutzung nahezu unverändert erhaltene architektonische Einschreibungen in Landschaft und Stadtbild im Vergleich zu projektierten aber eingestellten oder Planungsansatz gebliebenen Vorhaben den Umsetzungsgrad ablesen wie deren Umfang und räumliche Verteilung strategische NS-Raumordnung und Raumplanung zeigen. Entwicklung und Umsetzung von Architektur- und Planungskonzepten partikular zu beleuchten, wurde das Ergebnis der Forschungsarbeit, nach Baugattungen gegliedert, zu einer die Medien Schrift und Bild in Montagetechnik diskursiv verbindenden Publikation organisiert, die als Buch konzeptkünstlerisches Werk ist.

(Quelle: Künstlerin)