Article Number: 2696
Hard Cover, German, Thread Stiching, 274 Pages, 2011, diaphanes, ISBN 978-3-03734-148-3
Marie-José Mondzain

Bild, Ikone, Ökonomie

Die byzantinischen Quellen des zeitgenössischen Imaginären
€ 35.90

"Indem sie ausschließt, was sie zu ihrem Anderen erklärt, macht die Häresie einen sozialen Konflikt und die binäre Form des Modus, über den sich eine Gesellschaft definiert, in ihrer Doktrin lesbar. Sie zeigt eine Verbindung des Ideologischen mit dem Sozialen und deckt den Prozess auf, in dem der soziale Körper sich gründet." Michel de Certeau, La Fable mystique

Das mediale Zeitalter konfrontiert uns tagtäglich mit der Tatsache, dass unsere Welt vom Bild bestimmt wird. Die außergewöhnliche Kraft, die das Bild auf unsere Gegenwart ausübt, führt Marie-José Mondzain auf die ikonoklastische Krise in Byzanz im 8. und 9. Jahrhundert zurück. Denn als sich die Kirche gezwungen sah, dem Bild einen theologischen Status zu geben, erfand sie eine doppelte Doktrin: Die Doktrin vom Bild als Unsichtbares sollte die Kirche vor jedem Verdacht auf Idolatrie schützen, während die Doktrin von der Ikone als Sichtbares das Herzstück einer pädagogischen und politischen Strategie war, die die irdische Macht der Kirche sichern sollte. Das vielschichtige Prinzip, das diesem weitreichenden philosophischen Projekt zugrunde lag, ist dasjenige der göttlichen Oikonomie, Gottes Heilsplan für die Menschheit. Damit ist das Fundament für einen eminent modernen Bildbegriff gelegt, der im Herzen des Sichtbaren nach dem Unsichtbaren, nach einer essentiellen Leere verlangt.

Marie-José Mondzain zeichnet in ihrem profunden Werk eine wesentliche Entwicklungslinie in der Konzeptualisierung des Visuellen nach, indem sie die Ikone – entgegen ihrer modischen Vereinnahmung durch Präsenzphilosophien und Heilsversprechen aller Art – wieder in ihrer eigentlichen spekulativen und politischen Tradition, dem patristischen Denken, verortet. Zugleich weist sie den zentralen Stellenwert des Oikonomie-Begriffs für die ikonophile Bildtheorie nach und eröffnet damit eine Debatte, die für jede medienkritische Auseinandersetzung grundlegend ist.