Article Number: 13658
Soft Cover, German, Glue Binding, 356 Pages, 2016
Christian Reder

Deformierte Bürgerlichkeit

€ 24.90

Geboren 1944 in Budapest und in Wien aufgewachsen, rekonstruiert Christian Reder in Deformierte Bürgerlichkeit familiär vermittelte Beziehungen

zu zeitgeschichtlich relevanten Personen und Milieus. Ausgehend von autobiografischen Erinnerungen entwickelt der Autor eine kritisch reflektierte Perspektive auf eine bürgerliche Sozialisation, deren Selbstverständnis durch die politischen und ideologischen Kontinuitäten der Nachkriegszeit nachhaltig geprägt blieb.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem familiären Umfeld des Autors: Der Vater war als Arisierungsbeauftragter im Holzhandel tätig; zum erweiterten Bekanntenkreis gehörten unter anderem der österreichische Außenminister im März 1938 Wilhelm Wolf, der Neuland-Führer Anton Böhm, der Hochschullehrer Taras Borodajkewycz sowie der spätere Bundeskanzler Josef Klaus. Diese Konstellationen dienen als Ausgangspunkt für eine Analyse sozialer Netzwerke, in denen katholische Selbstverortung, ehemalige nationalsozialistische Loyalitäten und konservative Weltbilder ineinandergriffen.

Der Band zeichnet ein Milieu nach, das von Vorstellungen eines homogenen christlichen Abendlands, nationaler Identität und politischer Kontinuität geprägt war. Durch die historische Rekonstruktion dieser Zusammenhänge fragt Reder nach deren langfristigen gesellschaftlichen Nachwirkungen und macht sichtbar, wie solche Denkmuster weiterhin soziale und politische Orientierungen beeinflussen können. Die Studie versteht sich damit zugleich als Beitrag zur kritischen Erinnerungskultur und zur Reflexion demokratischer Perspektiven im europäischen Kontext.