
Herbert List I Panoptikum
Herbert List war fasziniert von den „künstlichen Menschen“ – lebensgroßen Figuren aus Wachs –, die im Panoptikum im Wiener Prater ausgestellt waren.
1944 fotografierte er diese Wachsfiguren und beschrieb sie als „in Position gehaltene und mit Make-up bemalte Leichen – erstarrt in Posen von äußerster Intensität, sind sie Bewohner eines Dornröschenschlosses“. List kombinierte eine Reihe von Märchenszenen, historischen Tableaus und medizinischen Motiven mit einem pointierten Text zu einem Bildband, der nun, mehr als 75 Jahre später, erstmals in einer bibliophilen Ausgabe auf der Grundlage von Lists Originalentwurf erscheint. Ein Begleitband mit Kommentaren ordnet das Werk in den Kontext seines künstlerischen Schaffens und der Geschichte von Präuschers Panoptikum in Wien ein, wo sich im 19. Jahrhundert populärwissenschaftliches Interesse mit einer sensationellen Faszination für Erotik und Exotik vermischte. Herbert List (1903–1975) emigrierte 1936 als vom Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit beeinflusster Künstler aus Deutschland. Anschließend fotografierte er in Südeuropa und lebte bis zum deutschen Einmarsch in Athen. Nach dem Krieg interessierte er sich zunehmend für Porträt-, Reportage- und Straßenfotografie und arbeitete für die Agentur Magnum.
































