Article Number: 13895
Hard Cover, German, Thread Stitching, 317 Pages, 1993

Siegert Bernhard - Relais Geschicke der Literatur als Epoche der Post 1751 - 1913

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Bernhard Siegerts Studie untersucht Literaturgeschichte aus einer medienhistorischen Perspektive. Ausgangspunkt ist die These, dass literarische Kommunikation seit dem 18. Jahrhundert

wesentlich durch die Infrastruktur des Postwesens geprägt wurde. Literatur erscheint dabei nicht nur als ästhetisches Phänomen, sondern als Ergebnis bestimmter Übertragungs- und Kommunikationssysteme.

Das Buch rekonstruiert die Zeit zwischen der Mitte des 18. Jahrhunderts und dem frühen 20. Jahrhundert als „Epoche der Post“. In dieser Phase bildete der Briefverkehr das zentrale Medium literarischer Kommunikation und Autorschaft. Schriftsteller agieren in diesem Modell gleichsam als „Postmeister“, da ihre Werke und ihre Autorität auf Netzwerken der Übertragung und Adressierung beruhen.

Siegert zeigt, wie sich literarische Formen aus den technischen und institutionellen Bedingungen des Briefverkehrs entwickelten. Beispiele reichen von der Briefkultur der Aufklärung über die romantische Literatur bis zu den Briefwechseln Franz Kafkas. Zugleich beschreibt er die medientechnischen Veränderungen des 19. Jahrhunderts – etwa Briefmarke, Postkarte, Telegraphie und Telefon – die schließlich das Ende dieser postalisch geprägten Literaturform einleiten.

Die Studie verbindet Literaturwissenschaft mit Mediengeschichte und versteht Literatur als Teil eines historischen Kommunikationssystems. Damit schlägt sie eine Neubeschreibung der Literaturgeschichte vor, die nicht vom Buch als Speicher, sondern von den jeweiligen Medien der Übertragung ausgeht.