Styrian window
Die Publikation bietet den Versuch einer umfassenden Bestandsaufnahme der Kunstproduktion in der Steiermark zwischen 1970 und 1995.
Auffällig ist der dokumentarische Ansatz: Anstelle einer kuratorischen Auswahl werden die damals lebenden Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zur Region alphabetisch erfasst. Dadurch entsteht weniger ein kanonischer Überblick als vielmehr ein breit angelegtes Archiv der regionalen Kunstszene jener Zeit.
Aus heutiger Perspektive lässt sich diese Vorgehensweise als Momentaufnahme einer Phase lesen, in der sich künstlerische Produktion zunehmend international vernetzte und institutionelle Strukturen zugleich regional verankert blieben. Die Publikation dokumentiert damit nicht nur künstlerische Positionen, sondern auch deren infrastrukturelle Voraussetzungen — Ausstellungshäuser, Förderstrukturen, Off-Spaces sowie diskursive Netzwerke, die wesentlich zur Sichtbarkeit der Kunst beitrugen.
Die begleitenden Essays reflektieren zentrale Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst dieser Jahre. Beiträge von Georg Altziebler, Wolfgang Bauer, Emil Breisach, Gertrude Celedin, Werner Fenz, Walter Grond, Christiane Holler, Alfred Kolleritsch, Richard Kriesche, Peter Weibel u. a. thematisieren Fragen regionaler Identität, mediale Transformationen künstlerischer Praxis sowie institutionelle und kulturpolitische Veränderungen.
Heute lässt sich die Publikation vor allem als historisches Referenzdokument lesen: weniger als abgeschlossene kunsthistorische Synthese denn als offenes Archiv eines kulturellen Moments, dessen Heterogenität und dokumentarischer Anspruch wesentliche Einblicke in die Dynamiken regionaler Kunstproduktion am Ende des 20. Jahrhunderts ermöglichen.
