Article Number: 2547
Soft Cover, German, Glue Binding, 40 Pages, 2011, Fotogalerie Wien, ISBN 978-3-902725-31-8
Fotogalerie Wien

Werkschau XVI

Hans Kuppelwieser.
€ 11.00

Fotogramme haben eine andere Beziehung zur Realität. Bei Hans Kupelwieser, unten dessen Händen seit den frühen 1980er-Jahren hunderte Fotogramme entstanden sind ist der Herstellungsprozess ein wesentlicher Teil des Bildes. (German/English)

Das Fotogramm ist die indexikalischste Form der Fotografie. Es weist die größte Nähe zum Original auf, das es tatsächlich berührt hat, und gleichzeitig die größte Distanz, weil es dessen Aussehen nicht in der gewohnten Weise vermittelt. Es sind andere Kriterien als die Wiedererkennbarkeit, die die Beziehung dieses direkten Abdrucks zur Realität bestimmen. Aber auch die ursprüngliche Definition von Fotografie reiht das Aufzeichnungsverfahren mittels lichtempfindlicher bzw. fixierender Substanzen vor die Verwendung eines Apparates, und das Wort „Fotografie“, ähnlich wie „Telefon“ oder „Computer“, beschreibt den Prozess und ist nicht der Name eines Gegenstandes.

Die Fotopapiere bei Hans Kuppelwieser werden wie Arbeitsplatten benützt: Am Belichtungstisch liegend oder am Boden ausgerollt, schüttet, legt oder stellt Kupelwieser auf ihnen Dinge aus, die dem Menschen nahe stehen – Erdäpfel, Spaghetti, Melanzani, Plastiksäcke, Kabel oder Möbel. Fast immer ist es ein waagrechtes Tun, ein von der Schwerkraft getragenes, vom Druck, von Größe, Volumen und Materialdichte abhängiges Kontaktporträt, das dem Betrachter dann jedoch vertikal entgegentritt, 90° von der ursprünglichen Orientierung entfernt, aufrecht, wie sein Gegenüber. Was zuerst auf dem Papier liegt und steht, ist letzten Endes mit diesem verschmolzen. So werden Dinge mit einer ausgeprägten Körperlichkeit – wie Tische und Sessel – von ihren schräg übers Papier fallenden Schatten genauso in die Fläche gestürzt und dort fixiert wie Papierstreifen, Gummibänder oder Kabel.

Alternierende Verfahren, die einmal dem Gegenstand, einmal dem Abbilden den Vorrang geben – Kupelwieser lässt etwa den Schatten eines Aluminiumsessels wieder in Aluminium gießen – verorten seine fotografischen Arbeiten in einem transmedialen Bereich, in dem die Dinge verschiedene Arten der Repräsentation durchwandern, oder auch verschiedene Weisen des Abdrucks, einmal in der lichtempfindlichen Schicht, ein anderes Mal in erhitztem Plexiglas, erfahren. Die Verzahnung von Gegenstand und Abbild, die Variationsbreite der Abbilder und die Wandelbarkeit der Fotogramme machen den Bildhauer Hans Kupelwieser als untrennbares Alter Ego spürbar und die Ausstellung mit einem für die Galerie produzierten 3 x 10 m langen Fotogramm, frühen konzeptuellen Arbeiten, raumgreifenden Fotogrammen und Collagen, und nicht zuletzt den Objekten selbst, zu einem formenreichen installativen Setting.